"Nur Mut!"

Königliche Gedanken während der Proklamation

Erwartungsvoll im Schützenzelt
Steh´n Schützen, Kinder, Gäste, Frau´n
Um hier, am Mittelpunkt der Welt,
Der Proklamierung zuzuschau´n.

Man spurt, der Höhepunkt ist da
Und irgendwo dazwischen steht,
Gleich grüßt man sie mit viel Hurra,
Die neue Schützenmajestät.

Die Musik schweit, es ruht der Tanz,
Man hört im Zelt kaum einen Ton;
Ist´s Wilhem, Friedrich oder Hans??...
Gespannt lauscht man aufs Mikrofon.

"In diesem Jahr, ihr lieben Leute,
Wer hätte jemals das gedacht,
Ist`s jemand, der sich sehr drauf freute:
Der Friederich hat es vollbracht!"

Der Fritz trinkt grad ein Bier am Tresen,
Als seinen Namen er vernimmt.
´I c h  bin der beste Schütz´gewesen?´
Noch glaubt er nicht, dass alles stimmt.

Und während er noch simuliert,
Sein Glück noch nicht begreifen kann,
Versonnen in das Bierglas stiert,
Erklingt ein "H o c h" dem braven Mann.

"Die Majestät, sie möge leben!"
Ertönt es nun aus vielen Kehlen.
"Mög´ Bier und Schluck uns allen geben!"
Der Fritze denkt: "Soll ich es stehlen?"

Es tobt um ihn, doch für Sekunden
Ist in Gedanken er verstrickt.
Ist alles rings um ihn verschwunden
Und wie im Traum es in ihm tickt:

"Wie soll ich das nur finanzieren?
Gibt die Bank mir wohl Kredit?
Soll´s bei der Sparda ich probieren?
Teile ich´s der Dresdner mit?

Und, o je, die vielen Leute!
Morgen kommen sie zu mir;
Schaff ich es denn wohl noch heute
Zu bestellen Schluck und Bier?"

In Gedanken ganz zu Hause
Mit total verwirrtem Sinn,
Um ihn lautes Festgebrause,
Setzt er sich erst einmal hin...

"Wer kann helfen beim Servieren?
Was, wenn´s Wetter nass und kalt?
Wird mein Volk dann draußen frieren?
Grau wird man dabei und alt!

Ach, und meine Frau daheim,
Ich mag gar nicht daran denken:
Wird sie mir den Schuss verzeih´n?
Muss ein Kleid ich ihr noch schenken?

Fas hätt´ich dabei vergessen
Für die Kleinsten, und was nu...,
Die Mohrenköpfe noch zum Essen!
Geschäfte haben doch schon zu!

Und der Garten, Hof und Haus,
Alles liegt da kreuz und quer!
Königlich sieht´s da nicht aus;
Wo krieg´ ich die Hilfen her?"

Fragen stürzen auf ihn ein,
Zu Stunden wird ihm der Moment...
Da bricht die Wirklichkeit herein,
So wie´s ein jeder König kennt:

Zur Theke hebt man ihn empor,
Man reißt ihn schroff aus seinen Träumen
Und laut ertönt es an sein Ohr:
"Lasst königliches Bier nun schäumen!!"

So läuft es nun, wie Jahr für Jahr
Die Majestät sehr bald empfindet,
Dass er ein guter König war
Und alle Sorgen unbegründet.

Weil dem so ist, wer zweifelt dran,
Möcht´ich als Ungebrannter sagen:
Wer´s noch nicht war, nur immer ran,
Den gold´nen Schuss kann jeder wagen!

Und sollt´ es wirklich nal malheur´n,
Gerät noch lang´ er nicht in Not!
Bei uns, ein jeder kann es hör´n,
Sind Heinzelmännchen noch nicht tot!!



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